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Wettbewerb setzt freier Schulwahl Grenzen
Kronshagener Mutter konnte ihr Kind nicht wunschgemäß an der Eichendorff-Schule anmelden

98 Prozent aller Schüler sind an ihrer Wahlschule, weil es dort keine Begrenzung gibt. Die Kronshagener Eichendorff-Schule ist beliebt. Doch sie darf nur 78 Grundschüler in drei Klassen pro Jahr aufnehmen.  

In Schleswig-Holstein gibt es die freie Schulwahl – im Prinzip. Im Einzelfall kann das anders aussehen, wie Kathleen Lentschat in Kronshagen erfuhr. Der Mutter gelang es nicht, ihr Kind wunschgemäß an der Eichendorff-Schule anzumelden. Durch die Aufnahmekriterien fühlt sie ihr Kind ungleich behandelt.

Die Ablehnung ist kein Einzelfall. In diesem Jahr sind davon gleich mehrere Kronshagener Eltern betroffen. Wegen der Kapazitätsbegrenzung bekamen ihre Kinder keinen Platz an der Eichendorff-Schule. Als Alternative bleibt ihnen die benachbarte Brüder-Grimm-Schule. Kathleen Lentschat wurmt, dass fünf Kinder, die nicht in Kronshagen wohnen, sogar den Vorzug erhielten, weil ihre Geschwister bereits an der Eichendorff-Schule sind. Vier davon kommen aus Kiel und eins aus Ottendorf.

Neben der Geschwister-Regelung sieht sie sich auch durch die zusätzliche Entfernungsregelung benachteiligt. Die Familie wohnt an der Eckernförder Straße, nah an der Grenze zu Kiel. „Dieses Kriterium könnte man nachvollziehen, wenn die andere mögliche Grundschule für einige Kinder näher wäre. Aber beide befinden sich zentral in Kronshagen“, argumentiert die Mutter. Sie zieht aus der Situation den Schluss: „Kinder, die zentral in Kronshagen wohnen, haben de facto die Wahl zwischen den beiden Grundschulen – andere an den Randgebieten der Gemeinde nicht. Sie müssen die Schule nehmen, die noch freie Plätze hat.“ Lentschat befürchtet, dass sich das Anmeldeproblem im kommenden Jahr wiederholen könnte. Sie will eine Diskussion um ein „gerechteres Auswahlverfahren“ anstoßen. Aus ihrer Sicht ließe sich die Ungleichbehandlung durch eine Auslosung umgehen.

Das Schulamt des Kreises Rendsburg-Eckernförde hat die Widersprüche der enttäuschten Eltern als unbegründet abgelehnt. Auf Nachfrage wies Schulrat André Berg gestern darauf hin, dass die Behörde in Abstimmung mit der Gemeinde Kronshagen als Schulträger für die Eichendorff-Schule eine Dreizügigkeit festgelegt habe – auch zum Schutz der Brüder-Grimm-Schule. Danach dürfen in diesem Jahr nicht mehr als 78 Erstklässler aufgenommen werden. Bei einem Überhang müsse die Schule selbst festlegen, nach welchen Kriterien sie Kinder aufnimmt. Berg hält ein Losverfahren für wenig geeignet: „Dann klagen die anderen Eltern.“ Die Situation an der Eichendorff-Schule ist nach seiner Einschätzung nicht typisch für die Schullandschaft im Kreisgebiet: „98 Prozent aller Schüler sind an ihrer Wahlschule, weil es dort keine Begrenzung gibt.“ Aufgrund der hohen Aufnahmezahlen legte die Schulkonferenz der Eichendorff-Schule im vergangenen Dezember drei Kriterien für die Aufnahme fest: ein besonderer Härtefall, bereits aufgenommene Geschwister und die Länge des Schulwegs. Rektor Stefan Ziervogel weist darauf hin, dass der Schulelternbeirat beteiligt war und ein klares Votum dafür abgegeben habe. Ein Losverfahren hält er nicht für gerechter: „Dann könnten auch noch mehr Kieler als bisher aufgenommen werden.“

Bis zur freien Schulwahl der Eltern gab es in Kronshagen eine klare Gebietsaufteilung: Alle Kinder, die westlich der Bahnlinie wohnten, mussten zur Eichendorff-Schule gehen, die anderen zur Brüder-Grimm-Schule. Von der Aufhebung der örtlichen Zuständigkeit versprach sich das Land seinerzeit mehr Wettbewerb unter den Schulen – ausgerechnet dieser setzt der freien Schulwahl nun in Kronshagen Grenzen.

 

Es werden nicht mehr als 78 Erstklässler aufgenommen.
Autor: Torsten Müller, KN 11.02.2016

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